Warhammer 40.000: Rogue Trader ist ein langes, storylastiges Rollenspiel mit Online-Koop für bis zu sechs Personen. Du und bis zu fünf Freunde teilt euch eine Kampagne und eine Gruppe aus sechs Figuren, reist durch den Koronus-Sektor und kämpft in rundenbasierten Gefechten gegen dessen Gefahren. Das ist eine gemeinsame Kampagne, kein Versus-Modus – und eine Person nimmt eine zentralere Rolle ein: Der Lord Captain trifft die endgültigen Dialog- und Storyentscheidungen, während die übrige Crew abstimmen und andere Figuren übernehmen kann. Koop funktioniert nur online; lokalen Splitscreen und LAN gibt es nicht.

Eine Crew im Koronus-Sektor

Du beginnst an Bord eines gewaltigen Raumschiffs mit dem Titel eines Rogue Traders: ein mächtiger Entdecker, dem weitreichende Befugnisse für Reisen jenseits der besiedelten Welten des Imperiums verliehen wurden. Der Koronus-Sektor ist eine abgelegene Weltraumregion, in der der Warp gefährlich ist, Siedlungen um Einfluss ringen und Entdeckungen Reichtum oder Ärger bedeuten können. Zu deinem Gefolge gehören imperiale Untertanen, Psioniker, eine Aeldari und weitere Gefährten, deren Loyalitäten und Vergangenheit selten einfach sind.

Die Kampagne wechselt zwischen Gesprächen, Erkundung und Kämpfen. Du reist zwischen Sternensystemen, landest auf Planeten und Stationen, triffst Menschen, die Hilfe brauchen oder sich dir in den Weg stellen, und entscheidest, was deine Dynastie mit ihrem Einfluss anfängt. Quests führen dich in eine Krise einer Siedlung, eine versiegelte Anlage, ein feindliches Schiff oder an einen Ort, an dem die örtlichen Mächte mehr verbergen, als sie zugeben. Die Geschichte reagiert auf die Entscheidungen des Lord Captains; ein Gespräch kann deshalb genauso folgenreich sein wie eine Schießerei.

Das macht den Koop-Aufbau für ein gruppenbasiertes Rollenspiel ungewöhnlich. Es gibt einen Lord Captain, nicht sechs gleich wichtige Hauptfiguren. Eine Person trifft die endgültigen Entscheidungen in Gesprächen, Storyereignissen und bestimmten Fragen zum Schiff oder zum nächsten Ziel. Die anderen können Dialoge mitlesen und über Antwortmöglichkeiten abstimmen, aber ihre Stimmen sind Ratschläge, keine gemeinsame Abstimmung. Der Lord Captain kann außerdem festlegen, wer manche Orte betritt und wie die Crew aufgeteilt wird. Wenn deine Gruppe möchte, dass alle direkt die Handlung prägen, ist diese Einschränkung wichtig: Die erzählerische Entscheidungsgewalt bleibt bei einer Figur, auch wenn die ganze Crew dabei ist.

Die übrigen Personen sind trotzdem nicht zum Zuschauen verdammt. Der Host kann die verfügbaren Gefährten unter der Gruppe verteilen, und eine Person kann mehr als eine Figur steuern. Diese Charaktere können Gebiete durchqueren, mit Objekten interagieren, Fertigkeitsproben ablegen, in Kämpfe ziehen, aufsteigen und ihre eigene Ausrüstung verwalten. Bei der Erkundung sind ihre Fähigkeiten etwa gefragt, um Hinweise zu entdecken oder eine Tür zu öffnen. Im Koop wählt das Spiel nicht immer automatisch die geeignetste Figur aus; die Person, die den passenden Spezialisten steuert, muss die jeweilige Probe aktiv auslösen.

Eine Gruppe, sechs Paar Hände

Die Grenze von sechs Spielern entspricht der größten aktiven Bodengruppe. Bei voller Besetzung kann jede Person im Kampf ein Gruppenmitglied steuern; mit weniger Freunden lässt sich die Kontrolle anders aufteilen. Die Besetzung umfasst Storygefährten mit eigenen Hintergründen und Fähigkeiten, und im Verlauf der Kampagne kommen weitere hinzu. Das Abenteuer beginnt allein mit dem Lord Captain, daher hat nicht sofort jede Person eine Figur. Die frühe Handlung bringt weitere Gefährten in die Gruppe, und über das Söldnersystem kannst du eigene Charaktere für Freunde erstellen. Im Startgebiet sind bis zu zwei möglich; weitere Söldner lassen sich später an Bord des Schiffs anwerben.

Eigene Söldner geben einer Person die Möglichkeit, eine selbst entworfene Figur zu spielen, statt einen Storygefährten zu übernehmen. Dafür bringen sie nicht dessen persönliche Geschichte mit. Es ist also die Wahl zwischen einem eigenen Charakter und den Quests, Gesprächen und Beziehungen der etablierten Besetzung. Du kannst auch die Kontrolle über den Lord Captain an eine andere Person übertragen oder mehrere Figuren einer Person zuweisen. Die Kampagne kommt mit wechselnder Besetzung zurecht: Andere können ein- oder aussteigen, während der Host denselben Spielstand fortsetzt.

Die Charakterentwicklung gibt der Crew zwischen den Kämpfen einiges zu besprechen. Herkunft, Heimatwelt, Hintergrund und Archetyp des Lord Captains prägen Fähigkeiten und Dialogoptionen. Die Gefährten bringen eigene Identitäten und Spezialgebiete mit; jede Figur entwickelt sich über Attributsentscheidungen, Talente, Waffen, Rüstung und Ausrüstung weiter. Ein Nahkämpfer, eine präzise Schützin, ein unterstützender Offizier oder ein Psioniker mit gefährlichen Kräften können alle etwas beitragen. Du bist nicht an eine Multiplayer-Klassenwarteschlange gebunden, und die Kampfgruppe muss nicht aus festen MMO-Rollen bestehen.

Auch Beute und Ausrüstung geben jeder Person einen Grund, außerhalb des eigenen Zuges aufmerksam zu bleiben. Gruppe und Frachtraum teilen sich Inventar und Ladung, und alle können Händler sowie die Verwaltung des Handelsimperiums aufrufen. Wer eine Figur steuert, kümmert sich um deren Ausrüstung und Stufenaufstiege; zugleich kann die Gruppe die bei einem Auftrag gefundene Beute gemeinsam vergleichen. Die Beute wird Teil der gemeinsamen Kampagne und ist kein Wettrennen zwischen getrennten Teams. Auf dem Schiff gibt es ruhigere Phasen, um Ausrüstung zu prüfen, Charaktere weiterzuentwickeln und die Geschäfte einer Rogue-Trader-Dynastie zu verwalten.

Taktische Kämpfe, in denen die Position zählt

Bodenkämpfe laufen rundenbasiert und auf einem Raster ab. Figuren bewegen sich über das Schlachtfeld, suchen Deckung, schießen, setzen Fähigkeiten ein oder gehen im Nahkampf auf Gegner los. Deckung kann teilweise oder besser schützen, doch kleinere Objekte lassen sich zerstören. Auch die Position bestimmt, was ein Schuss erreicht: Eine Bewegung, die sicher aussieht, kann die Sichtlinie blockieren. Vor dem Bestätigen kannst du dir die Sicht und Reichweite einer Figur anzeigen lassen.

Die Waffen haben unterschiedliche Formen und Folgen. Ein einzelner Schuss kann ein Ziel durchdringen und dahinter etwas treffen; Feuerstöße decken eine breitere Linie ab, Flammenwerfer und Schrotflinten bedrohen einen Kegel aus Feldern. Manche schweren Angriffe schleudern Ziele gegen Hindernisse oder andere Gegner. Das Schlachtfeld ist dadurch mehr als eine Reihe von Lebensleisten. Gegner können sich zusammendrängen, hinter Deckung verstecken oder einen verwundbaren Verbündeten bedrohen – und die sechsköpfige Gruppe gibt jeder Person einen anderen Teil des Gefechts zu übernehmen.

Kampfaktionen bauen außerdem Momentum auf, wenn deine Gruppe Gegner verwundet oder besiegt. Bei hohem Momentum können Figuren Heroische Akte ausführen, mächtige Fähigkeiten, die einen Kampf wenden können. Wenn die Gruppe schwer getroffen wurde und Momentum sinkt, werden Verzweifelte Maßnahmen verfügbar, allerdings zu einem Preis. Psionische Kräfte bringen ein weiteres Risiko mit: Häufiger Einsatz kann den Schleier zwischen Wirklichkeit und Warp stören und gefährliche Rückschläge auslösen. So wird eine längere Begegnung zu einem wechselnden Ringen um Positionen, Ressourcen und den richtigen Moment für eine besonders starke Fähigkeit.

Eigenbeschuss kann einen Angriff auch für Personen neben dem Ziel gefährlich machen. Ein Schuss kann einen Gegner durchdringen und dahinter jemanden treffen; Flächen- oder Ketteneffekte können ebenfalls Gefährten im Kampf erwischen. Im Koop treffen mehr Personen Entscheidungen im selben taktischen Gefecht, aber es gibt kein separates Spieler-gegen-Spieler-Ziel. Die Gruppe bleibt eine Crew, die sich gemeinsam den Gegnern des Spiels stellt – manchmal steht dabei ein Teammitglied in der falschen Schusslinie.

Das Raumschiff verändert den Rhythmus

Zwischen Einsätzen auf Planeten trägt dein Schiff die Crew durch die Systeme des Sektors. Die Sternenkarte ist ein Netz aus Routen und Orten, keine Folge voneinander getrennter Level. Reisen können Begegnungen, Entdeckungen und neue Gefahren bringen, während Landungstrupps Situationen lösen, die Leute vor Ort erfordern. Das Schiff ergänzt die Kampagne um eine weitere Entwicklungsebene: Du verwaltest Ausrüstung und Entscheidungen rund um das Schiff und dein Handelsimperium.

Raumgefechte spielen sich anders als Bodenkämpfe. Das Voidship ist ein gemeinsames Schiff, und während eines Gefechts kann jede Person seine Systeme bedienen. So kann eine Person eine Waffe oder Schiffsaktion befehligen, während eine andere den nächsten Schritt überlegt; das Spiel weist den Koop-Teilnehmenden keine dauerhaften Stationen zu. Außerhalb des Gefechts gehören viele Entscheidungen zur Geschichte des Lord Captains, auch wenn die Crew über Optionen abstimmen und Händler bedienen kann, sobald das Schiff sie erreicht.

Der Gegensatz zwischen den Bodenkämpfen mit mehreren Figuren und dem gemeinsamen Raumschiff prägt das Gruppenspiel. Du wechselst von einem nahen Gefecht, in dem mehrere Charaktere unabhängig handeln, zu einer Begegnung auf größerer Ebene, bei der alle dasselbe Schiff bedienen. Zwischen Missionen verbringt die Crew außerdem Zeit an Bord, trifft Gefährten, hört ihre Sichtweisen und erlebt, wie eine Entscheidung die Stellung der Dynastie in einer Region verändert. Die Geschichte bleibt das Rückgrat der Kampagne; Kämpfe und Schiffssysteme bieten zusätzliche Möglichkeiten, sich einzubringen.

Online-Einstieg und praktische Grenzen

Rogue Trader unterstützt bis zu sechs Personen im Online-Koop. Eine Person startet oder lädt die Kampagne und öffnet den Koop-Modus; Freunde können über ein Einladungs-Overlay beitreten oder nach Auswahl derselben Serverregion die Server-ID des Hosts eingeben. Die Kampagne folgt dessen Spielstand.

Unter Windows können Personen auf Steam, GOG und Epic über die Server-ID gemeinsam spielen; die Gruppe muss also nicht denselben Store-Client verwenden. Mac-Versionen können sich nur mit anderen Mac-Versionen verbinden; je nach Store gelten zusätzliche Einschränkungen. Microsoft-Store- und Xbox-Game-Pass-Versionen spielen nicht mit den Windows-Versionen von Steam, GOG oder Epic zusammen. Außerdem müssen bezahlte DLCs bei allen Mitspielenden übereinstimmen, während kosmetische Pakete eigenen Regeln folgen. Das lohnt sich zu prüfen, bevor jemand eine Erweiterung für eine bereits laufende Kampagne kauft.

Die Technik ist bei einem so langen Spiel ein echter Faktor: Desynchronisierungen oder Verbindungsabbrüche können einen rundenbasierten Kampf unterbrechen oder die Gruppe zum Neuladen zwingen, auch wenn der Entwickler Koop-Fehler behoben hat. Das ist keine kurze Mission, die nach einem Gefecht endet. Deine Freunde steigen in eine weitläufige Kampagne mit Dialogen, Reisen, Ausrüstungsmenüs und langen Kämpfen zwischen wichtigen Wendepunkten ein.

Rogue Trader passt zu einer Gruppe, die ein dichtes, entscheidungsreiches CRPG gemeinsam erleben kann und damit zurechtkommt, dass eine Figur bei Storyentscheidungen das letzte Wort hat. Gäste erhalten weiterhin sinnvolle Kontrolle über Gefährten, Kämpfe, Ausrüstung und die Gefechtssysteme des Schiffs, aber die soziale Balance des Spiels ist bewusst ungleich. Wenn eure Gruppe jede große Entscheidung lieber gemeinsam treffen möchte, ist die endgültige Autorität des Lord Captains die wichtigste Frage. Wenn das für euch passt, bietet die sechsköpfige Gruppe eine ganze Crew für die brutalen, seltsamen Weiten des Koronus-Sektors.

Eine Sternenkarte zeigt Routen und Systeme im Koronus-Sektor.

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