Rocketbirds: Hardboiled Chicken enthält eine eigene Koop-Kampagne mit zehn Kapiteln für zwei Spielende. Du und eine befreundete Person übernehmt Wellensittich-Kommandos, die nach der entführten Tochter des Generals suchen. Ihr könnt lokal an einem PC oder online zusammenspielen. Das ist nicht einfach die 15 Kapitel lange Solokampagne mit einer zweiten Figur: Die Wellensittiche, ihre Rettungsmission und die angepassten Rätsel führen euch auf einer eigenen Route durch dieselbe Welt.

An einem PC teilt ihr euch einen Bildschirm. Das lokale PC-Setup kombiniert Tastatur und Maus für eine Person mit einem Xbox-360-Controller für die andere oder nutzt zwei Xbox-360-Controller. Das Spiel unterstützt außerdem Online-Koop und Remote Play Together, womit eine befreundete Person einer gestreamten lokalen Sitzung beitreten kann. Versionen für Windows, macOS und Linux sind verfügbar.

Eine Rettungsmission für zwei

In der Hauptgeschichte von Hardboiled Chicken kämpft das bewaffnete Huhn Hardboiled in Albatropolis gegen das Pinguinregime. Die Koop-Kampagne rückt zwei kleine Vögel in den Mittelpunkt: Zur Auswahl stehen sechs Wellensittich-Kommandos, und gemeinsam sollen sie die Tochter des Generals retten. Die zehn Kapitel bilden einen eigenen Handlungsstrang. Sie verwenden Orte aus der Solokampagne erneut, ändern aber Wege und Rätsel, damit sie zu den zwei kleineren Figuren mit ihren festgelegten Waffen passen.

Das ist mehr als ein zweiter Avatar, der neben dem Helden herläuft. Hardboiled kann Waffen einsammeln und wechseln, Granaten und Hirnkäfer einsetzen und dank seines größeren Sprungs höhere Vorsprünge erreichen. Ein Wellensittich ist an die gewählte Waffe gebunden und kann einige Fähigkeiten des Solohelden nicht nutzen. In der Koop-Kampagne bewegt ihr also zwei fähige, aber stärker eingeschränkte Kommandos durch Räume, die auf ihre Zusammenarbeit ausgelegt sind. Die Geschichte bleibt pulpig und verspielt, doch das Ziel ist eindeutig: durch die von Pinguinen kontrollierten Gebiete vordringen und die entführte Tochter des Generals zurückholen.

Die sechs Figuren sind eine Auswahl spielbarer Wellensittiche, keine Gruppe aus sechs gleichzeitig aktiven Koop-Figuren. Die Rettungsgeschichte ist für ein Duo gedacht, in dem jede Person während des gemeinsamen Levels ein Kommando steuert. Falls eine befreundete Person nicht mitspielen kann, gibt es weiterhin die vollständige Solokampagne. Die Wellensittich-Mission selbst ist jedoch ausdrücklich auf zwei Personen zugeschnitten.

Die Wellensittiche machen Höhe zur Teamarbeit

Der auffälligste Unterschied bei der Fortbewegung: Die Koop-Figuren können auf die Schultern der jeweils anderen steigen. Der obere Wellensittich erreicht so einen Vorsprung, den der untere allein nicht erklimmen würde. Die getragene Figur ist Teil des Weges und läuft nicht bloß hinterher. In einigen Passagen kann die obere Figur sogar schießen, während sie getragen wird – Fortbewegung und Kampf verbinden sich dann zu einer beweglichen Plattform. Das Zusammenspiel ist gut zu erkennen: Eine Person sorgt für Höhe, die andere nutzt die Position, und beide bleiben im selben seitlichen Bildausschnitt.

Dadurch verändert sich der Ablauf in einem vertrauten Raum. Eine Barriere, ein hoher Absatz oder ein schmaler Durchgang kann das Duo kurz voneinander trennen, bevor ein Sprung oder eine Hebevorrichtung es wieder zusammenführt. Die Umgebungen erinnern an die Hauptkampagne, aber die angepassten Rätsel geben ihnen einen anderen Zweck. Statt mit Hardboiled nur eine Schlüsselkarte zu suchen oder eine Kiste an die richtige Stelle zu schieben, bestimmen Größenunterschied und gemeinsame Bewegung der Wellensittiche, wie ihr Lücken überwindet und den nächsten Abschnitt erreicht.

Auch zwischen diesen Kletterpassagen gibt es reichlich Schusswechsel. Rocketbirds setzt auf unkomplizierte Run-and-Gun-Action in Seitenansicht: Ihr bewegt euch durch kompakte Räume, stellt euch bewaffneten Pinguinen und feuert quer über den Bildschirm. Die Animationen lassen Treffer wuchtig wirken; Gegner werden von Kugeln in die Luft geschleudert, begleitet von stilisierten Blut- und Federwolken. Der Kampf ist direkt und kein präziser Deckungsshooter. Abwechslung entsteht vor allem durch die Waffenwahl, die Position der Gegner und den richtigen Sprung über Plattformen.

Ein bewaffneter Vogel schießt durch einen dunklen Bunker, während ein Pinguinsoldat in einer Wolke aus Federn und Blut zurückgeschleudert wird.

Sechs Kommandos, unterschiedliche Waffen

Die festgelegten Waffen geben jeder Wellensittich-Figur eine erkennbare Rolle im Kampf. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Chief mit einem leichten Maschinengewehr und Mutt mit einer Schrotflinte. Anders als Hardboiled mit seinem wechselnden Arsenal behält ein ausgewählter Wellensittich seine Waffe, statt im Verlauf der Solokampagne aufgesammelte Gewehre durchzutauschen. Beim Vergleich zweier Figuren ist der Unterschied schnell klar: Eine Waffe eignet sich eher für anhaltendes Feuer, eine andere für kurze Distanz, und keine Figur bringt das gesamte Werkzeugangebot des Helden mit.

Diese feste Ausrüstung macht auch Munition wichtiger. Eine Waffe für anhaltendes Feuer und eine Schrotflinte spielen sich unterschiedlich, und jede Figur bleibt bei ihrer Ausrichtung. Ihr baut keine langfristige Klasse auf und schaltet auch keinen komplexen Talentbaum frei; die Wahl prägt euren aktuellen Durchlauf. Dadurch wirken die sechs Figuren weniger wie bloße Kostümvarianten, ohne dass daraus ein umfangreiches Charakter- oder Fortschrittssystem wird oder eine bestimmte Kombination nötig wäre.

Diese Einfachheit hat zwei Seiten. Kampf und Rätsel verlangen keine komplizierte Steuerung oder ausgefeilten Charakter-Builds, und zwei bewaffnete Wellensittiche setzen nur wenige Gegnertypen unter Druck. Das hält den Modus zugänglich. Wer fordernde Kämpfe oder ein langfristiges Charakter-System sucht, könnte die Waffenrollen der Wellensittiche jedoch recht oberflächlich finden. Die Run-and-Gun-Begegnungen sind kurz und direkt; die Herausforderung liegt eher darin, Räume und Hindernisse zu durchqueren, als in einer tiefen Waffen-Simulation.

Was in der Koop-Kampagne fehlt

Mit Hirnkäfern übernimmt Hardboiled in der Solokampagne die Kontrolle über Pinguinsoldaten. In Jetpack-Abschnitten wechselt das Spiel zu Luftkämpfen. Diese Systeme prägen die Wellensittich-Kampagne nicht. Der Koop-Modus konzentriert sich stattdessen auf die eingeschränktere Beweglichkeit der zwei Figuren, ihre Waffen und neu gestaltete Fortbewegungsrätsel. Das ist wichtig, wenn jemand Soloszenen gesehen hat und dieselben Rätselwerkzeuge oder Flugabschnitte erwartet: Die Koop-Geschichte ist eine Begleitkampagne und keine Zwei-Spieler-Version jeder Solomission.

Der Vorteil ist ein einheitlicheres gemeinsames Format. Beide Personen bleiben am Boden, bewegen sich durch dieselben seitlich scrollenden Räume und lösen Hindernisse zusammen. Die Kampagne besteht aus zehn Kapiteln statt einem einzigen, ununterbrochenen Level; jedes führt durch eine kurze Folge aus Räumen, Plattformen und Kämpfen. Wiederverwendete Schauplätze schaffen eine vertraute Route durch Albatropolis, während angepasste Rätsel den zwei Wellensittichen einen Grund geben, gemeinsam hindurchzugehen. Die Geschichte ergänzt das vollständige Spiel, ersetzt aber weder die Solomissionen noch ist sie ein späterer Serienteil.

Die Reihe begann mit dem Browserspiel Rocketbirds: Revolution!, das Hardboiled Chicken mit neuen Handlungselementen und einer eigenen Koop-Kampagne deutlich erweitert. Rocketbirds 2: Evolution ist ein späteres, eigenständiges Spiel; dessen Modi und Spielerzahl gehören nicht zu diesem Teil. Hier ist das Versprechen überschaubarer und klarer: zwei Kommandos, zehn Rettungskapitel und eine Fortbewegung, die auf ihrem Größenunterschied basiert. Die sechs Figuren bringen unterschiedliche Waffen für das Duo mit, aber die Koop-Gruppe bleibt zu zweit und die Charakterwahl entwickelt sich nicht zu einem langfristigen Fortschrittssystem.

Ein düsterer Cartoon-Krieg mit Rock-Soundtrack

Das Setting verleiht dieser kleinen Mission einen eigenen Look. Albatropolis ist eine Vogelstadt unter einem autoritären Pinguinregime. Die Levels führen durch militärische Innenräume, Straßen und reich verzierte Orte wie das Museum auf dem Bild. Propaganda, Industrieanlagen und überzeichnete Uniformen machen die Diktaturkulisse erkennbar; bewaffnete Vögel und absurde Dialoge verhindern zugleich, dass die Geschichte zum ernsten Kriegsdrama wird. Der Humor ist trocken und gelegentlich düster. Die Cartoon-Optik macht die Kämpfe nicht unblutig.

Musik spielt bei der Inszenierung eine große Rolle. In filmischen Zwischensequenzen und musikvideoartigen Momenten verwendet das Spiel Stücke von New World Revolution. Der Rock-Soundtrack begleitet die Rettungsgeschichte also nicht bloß im Hintergrund. Der ausdrucksstarke Look und die Musik geben dem kompakten Actionabenteuer eine schräge, bewusst überdrehte Atmosphäre, selbst wenn Kämpfe und Rätsel einfach bleiben. Das passt zu einer Gruppe, die eine kurze Actiongeschichte mit ungewöhnlichem Ton sucht. Weniger geeignet ist sie für Freunde eines realistischen Militärdramas oder eines Rhythmusspiels, bei dem Aktionen im Takt liegen müssen.

Der Unterschied kann eine angenehme Abwechslung sein, wenn ihr eine Geschichte für zwei sucht. Zugleich hat das Koop-Spiel dadurch weniger mechanische Überraschungen als Hardboileds Soloroute. Die kurzen Abschnitte und unkomplizierten Kämpfe machen die Rettungsmission leicht zugänglich. Die Luftkampfkapitel und die Besitzrätsel bleiben jedoch Teil der Hauptkampagne und fehlen im Wellensittich-Abenteuer. Rocketbirds setzt auf eine zugängliche gemeinsame Mission statt auf eine zweite Kampagne mit derselben mechanischen Bandbreite wie Hardboileds Geschichte.

Ein überschaubarer Ausflug für zwei

Die zehn Kapitel geben der Koop-Kampagne einen klaren Anfang und Abschluss. Vertraute Schauplätze und angepasste Rätsel verbinden sie mit der größeren Geschichte. Sie ist mehr als ein kurzer Bonusabschnitt, aber kürzer und fokussierter als Hardboileds Solokampagne mit 15 Kapiteln. Die Rettung der Generalstochter liefert einen roten Faden, und durch die gemeinsame Fortbewegung entstehen Momente, die der Soloheld nicht auf dieselbe Weise erleben kann.

Rocketbirds: Hardboiled Chicken passt zu zwei Freunden, die ein seitlich scrollendes Actionabenteuer mit unkomplizierten Schusswechseln, leichten Rätseln und einer eigenwilligen Vogel-und-Pinguin-Geschichte suchen. Weniger passend ist es für größere Gruppen, für Fans tiefer Klassen- und Fähigkeitssysteme oder für alle, die in der Koop-Kampagne auch die Gedankenkontrolle und Jetpack-Abschnitte der Hauptgeschichte erwarten. Unter dem Cartoon-Look und dem trockenen Humor zeigt das Spiel deutlich blutige Gewalt. Für das passende Duo liegt der Reiz in der kompakten Rettungsmission: zwei kleine Kommandos, die sich einen Bildschirm teilen oder online verbinden, übereinander klettern und sich durch eine absurd ernst inszenierte Revolution kämpfen.

Screenshots

Tags